Ethik ist wichtiger als Religion

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Nach Aufassung des Dalai Lama existiert unabhängig von jeglichen durch Religion vermittelten Werten in jedem Menschen eine elementare Spiritualität, welche sich z.B. im Grundbedürfnis nach Mitgefühl ausdrückt. Er bezeichnet dies als „säkulare Ethik“ und vergleicht das Verhältnis zwischen säkularer Ethik und Religion mit dem von Wasser und Tee:

„Ethik und innere Werte, die sich auf einen religiösen Kontext stützen, sind eher wie Tee. Der Tee, den wir trinken, besteht zum größten Teil aus Wasser, aber er enthält noch weitere Zutaten – Teeblätter, Gewürze, vielleicht ein wenig Zucker und – in Tibet jedenfalls – auch ein Prise Salz, und das macht ihn gehaltvoller, nachhaltiger und zu etwas, das wir jeden Tag haben möchten. Aber unabhängig davon, wie der Tee zubereitet wird: Sein Hauptbestandteil ist immer Wasser. Wir können ohne Tee leben, aber nicht ohne Wasser.“ Weiterlesen

Shelley Sacks/Hildegard Kurt: „Die rote Blume. Ästhetische Praxis in Zeiten des Wandels“

 Die rote BlumeWir leben in einer Zeit des Übergangs, in der eine wachsende globale Bewegung damit begonnen hat, verschiedenste gesellschaftliche Bereiche im Sinne einer humanistischen und nachhaltigen Zukunftsvision eigenverantwortlich umzugestalten, anstatt nur darauf zu warten, dass die BerufspolitikerInnen, deren Mehrzahl immer noch einer  kurzfristig gedachten und zerstörerischen Wachstumsökonomie anhängt, endlich dafür die Weichen stellen. Weiterlesen

Wann spreche ich?

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Im Herbst 2009 begann ich meine Ausbildung zum Dialogbegleiter in einem Bildungshaus auf der Insel Sylt. Bei der Anreise stellte ich fest, dass es sich um eine recht große Seminargruppe von über 20 Personen handelte, und verspürte erst einmal Unbehagen. Ich erinnerte mich an Gruppensituationen, in denen mir der Kopf wehtat, weil ich über lange Zeit einer Fülle von Redebeiträgen ausgesetzt war, die wenig Bedeutsames enthielten und manchmal auch in anstrengende Diskussionen oder gar Konflikte mündeten. Ich selber neige dann zu schweigender Zurückhaltung, einhergehend mit Gefühlen wie Anspannung, Ratlosigkeit und Aggression. Weiterlesen

Herbstgefühle

Kastanien

Was hat der Herbst mit dem Frühling gemein? Er ist plötzlich da, liegt auf einmal in der Luft und durchweht einen mit der Gewissheit, dass alles im Wandel ist. Dagegen kommen Sommer und Winter doch eher als allmähliche Veränderung oder als Steigerung des bereits Vorhandenen daher.

Auch stellen sich Erinnerungen an vergangene Herbste ein – Erinnerungen, an denen alle Sinne beteiligt sind: Hand in Hand und verliebt, inmitten eines Kerzenteppichs standen meine heutige Frau und ich 1989 bei der Mahnwache für inhaftierte Demonstranten an der halleschen Kirche St. Georgen.
„UND WAS IST MIT DER DEUTSCHEN EINHEIT?“ ergriff ein strubbelhaariges, lederbejacktes Männlein das Wort und überzog die Anwesenden mit einem erregten Wortschwall. Weiterlesen