Auf Empathie-Entzug

tower-2„Wir müssen die Grenzen dichtmachen und dann die grausamen Bilder aushalten“, sagte AfD-Parteifunktionär Alexander Gauland in der vergangenen Woche der „Zeit“. Und weiter: „Wir können uns nicht von Kinderaugen erpressen lassen.“

Gauland ist kein unerfahrener Wirrkopf, hochgespült von der Pegida-Welle und versehen mit dem üblichen Verfallsdatum rechtspopulistischer Desperados. Der Sohn eines sächsischen Polizeioffiziers ist langjähriger Politprofi mit Stationen im Frankfurter Römer, der hessischen Staatskanzlei und dem Bundesumweltministerium. Weiterlesen

Herbstgefühle

Kastanien

Was hat der Herbst mit dem Frühling gemein? Er ist plötzlich da, liegt auf einmal in der Luft und durchweht einen mit der Gewissheit, dass alles im Wandel ist. Dagegen kommen Sommer und Winter doch eher als allmähliche Veränderung oder als Steigerung des bereits Vorhandenen daher.

Auch stellen sich Erinnerungen an vergangene Herbste ein – Erinnerungen, an denen alle Sinne beteiligt sind: Hand in Hand und verliebt, inmitten eines Kerzenteppichs standen meine heutige Frau und ich 1989 bei der Mahnwache für inhaftierte Demonstranten an der halleschen Kirche St. Georgen.
„UND WAS IST MIT DER DEUTSCHEN EINHEIT?“ ergriff ein strubbelhaariges, lederbejacktes Männlein das Wort und überzog die Anwesenden mit einem erregten Wortschwall. Weiterlesen

EDEKA, die Liebe und das Universum

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„Schön, dass Sie unsere Liebe teilen.“ steht jetzt am Eingang meiner Kaufhalle über einem großen gelben Herz, welches sich dank surrender Tür-Automatik tatsächlich vor mir teilt, wenn ich den Laden betrete. Grrrrrrr … Nicht genug, dass es drückend heiß ist und einem die Klamotten am Leibe kleben – jetzt werde ich auch noch vom bräsigen Trothaer Edeka aufdringlich angeherzt! Ja, die wollen und müssen ihren Kramladen irgendwie mit Bedeutung aufladen, um sich von den anderen Kramläden abzuheben. Ich bin ja auch froh, dass es sie noch gibt angesichts der immer näher rückenden Lidl-, Netto- und Penny-Einschläge. Aber müssen es immer gleich die ganz großen Gefühle sein, die mich beim leidlichen Zusammenklauben von Knoblauch, Keks und Klopapier begleiten sollen? Weiterlesen

Heute back ich, morgen schreib ich …

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Newsletter 1/2015 prangt da immerhin schon auf dem Bildschirm des Klapprechners – wenn auch etwas verloren im Weiß des ansonsten noch leeren Dokuments. Mein Blick schweift aus dem Fenster der Regionalbahn Halle-Magdeburg. WOZU? brüllen mir die Grafitti an den verfallenen Stationsgebäuden entlang der Schienenstrecke entgegen. Gute Frage! Wozu noch einer dieser Newsletter – noch ein Tropfen mehr in der täglichen Flut von Emails für all die vielbeschäftigten Mitmenschen?

Zöberitz, Niemberg, Stummsdorf ziehen vorüber und Newsletter 1/2015 schwebt noch immer einsam über dem weißen Nebel aus Pixeln. Du liebe Güte, wenn nach dem berühmten afrikanischen Sprichwort ein ganzes Dorf benötigt wird, um ein Kind zu erziehen, wieviele Dörfer braucht es, um den Anfang für einen Newsletter zu finden? Weiterlesen