Selbstempathie: Eigene Gefühle und Bedürfnisse wahr- und ernstnehmen

Klangschalen

TeilnehmerInnen von Seminaren zur Gewaltfreien Kommunikation setzen sich anfangs gerne unter Stress mit dem Anspruch, Konfliktsituationen fortan unter Einsatz von 4-Schritte-Selbstmitteilungen und smarter Empathie souverän zu bewältigen.
Funktioniert das nicht, sehen sie die Gründe dafür mitunter in der „Ignoranz“ des Gegenübers oder aber in der GFK als solcher, weil sie eben doch nicht „alltagstauglich“ ist oder scheinbar irre viel Training und teure Aufbaukurse erfordert, bevor sie ihre Wirkung entfaltet.
Weiterlesen

Auf Empathie-Entzug

tower-2„Wir müssen die Grenzen dichtmachen und dann die grausamen Bilder aushalten“, sagte AfD-Parteifunktionär Alexander Gauland in der vergangenen Woche der „Zeit“. Und weiter: „Wir können uns nicht von Kinderaugen erpressen lassen.“

Gauland ist kein unerfahrener Wirrkopf, hochgespült von der Pegida-Welle und versehen mit dem üblichen Verfallsdatum rechtspopulistischer Desperados. Der Sohn eines sächsischen Polizeioffiziers ist langjähriger Politprofi mit Stationen im Frankfurter Römer, der hessischen Staatskanzlei und dem Bundesumweltministerium. Weiterlesen

Ethik ist wichtiger als Religion

der_appell_des_dalai_lama_an_die_welt

Nach Aufassung des Dalai Lama existiert unabhängig von jeglichen durch Religion vermittelten Werten in jedem Menschen eine elementare Spiritualität, welche sich z.B. im Grundbedürfnis nach Mitgefühl ausdrückt. Er bezeichnet dies als „säkulare Ethik“ und vergleicht das Verhältnis zwischen säkularer Ethik und Religion mit dem von Wasser und Tee:

„Ethik und innere Werte, die sich auf einen religiösen Kontext stützen, sind eher wie Tee. Der Tee, den wir trinken, besteht zum größten Teil aus Wasser, aber er enthält noch weitere Zutaten – Teeblätter, Gewürze, vielleicht ein wenig Zucker und – in Tibet jedenfalls – auch ein Prise Salz, und das macht ihn gehaltvoller, nachhaltiger und zu etwas, das wir jeden Tag haben möchten. Aber unabhängig davon, wie der Tee zubereitet wird: Sein Hauptbestandteil ist immer Wasser. Wir können ohne Tee leben, aber nicht ohne Wasser.“ Weiterlesen

Shelley Sacks/Hildegard Kurt: „Die rote Blume. Ästhetische Praxis in Zeiten des Wandels“

 Die rote BlumeWir leben in einer Zeit des Übergangs, in der eine wachsende globale Bewegung damit begonnen hat, verschiedenste gesellschaftliche Bereiche im Sinne einer humanistischen und nachhaltigen Zukunftsvision eigenverantwortlich umzugestalten, anstatt nur darauf zu warten, dass die BerufspolitikerInnen, deren Mehrzahl immer noch einer  kurzfristig gedachten und zerstörerischen Wachstumsökonomie anhängt, endlich dafür die Weichen stellen. Weiterlesen

Wann spreche ich?

psst_2

Im Herbst 2009 begann ich meine Ausbildung zum Dialogbegleiter in einem Bildungshaus auf der Insel Sylt. Bei der Anreise stellte ich fest, dass es sich um eine recht große Seminargruppe von über 20 Personen handelte, und verspürte erst einmal Unbehagen. Ich erinnerte mich an Gruppensituationen, in denen mir der Kopf wehtat, weil ich über lange Zeit einer Fülle von Redebeiträgen ausgesetzt war, die wenig Bedeutsames enthielten und manchmal auch in anstrengende Diskussionen oder gar Konflikte mündeten. Ich selber neige dann zu schweigender Zurückhaltung, einhergehend mit Gefühlen wie Anspannung, Ratlosigkeit und Aggression. Weiterlesen

Herbstgefühle

Kastanien

Was hat der Herbst mit dem Frühling gemein? Er ist plötzlich da, liegt auf einmal in der Luft und durchweht einen mit der Gewissheit, dass alles im Wandel ist. Dagegen kommen Sommer und Winter doch eher als allmähliche Veränderung oder als Steigerung des bereits Vorhandenen daher.

Auch stellen sich Erinnerungen an vergangene Herbste ein – Erinnerungen, an denen alle Sinne beteiligt sind: Hand in Hand und verliebt, inmitten eines Kerzenteppichs standen meine heutige Frau und ich 1989 bei der Mahnwache für inhaftierte Demonstranten an der halleschen Kirche St. Georgen.
„UND WAS IST MIT DER DEUTSCHEN EINHEIT?“ ergriff ein strubbelhaariges, lederbejacktes Männlein das Wort und überzog die Anwesenden mit einem erregten Wortschwall. Weiterlesen

Was ist Dialog unter freiem Himmel?

IMG_20150208_125152Seit Mai dieses Jahres finden die Dialoge unter freiem Himmel am Peißnitzhaus statt – Gesprächskreise zu verschiedenen Themen, offen für alle Interessierten. Immer wieder wird gefragt, worum es sich dabei konkret handelt – deshalb soll an dieser Stelle noch mal eine Erklärung erfolgen, wohl wissend, dass dies nicht der sprichwörtlichen Weisheit letzter Schluss sein muss.
Anliegen dieser Treffen ist es, gute Gesprächskultur in Gruppe Weiterlesen

Aktiv zuhören oder lauschen?

buddha-statue-546458_640

 

In meinen Seminaren lade ich die Teilnehmenden gerne zu Dialogen anhand bestimmter Fragen ein. Dabei bitte ich Person A darum, Person B aufmerksam und schweigend zuzuhören. Immer mal wieder führt das zu Irritationen: Die meisten von uns sind es gewohnt, den Erzählfluss des Gegenübers mit Lauten (Hmm, ah ja …) und Gesten (Kopfnicken …) zu begleiten oder hin und wieder Fragen zu stellen. Oft gibt diese „Begleitmusik“ auch der Sprechenden die Sicherheit, dass sie „richtig ist“ mit ihrem Thema oder ihrer Art zu erzählen. Weiterlesen

Viktor Frankl: „…trotzdem Ja zum Leben sagen“

Trotzdem Ja zum Leben sagen

Dieses Buch hat mich berührt wie kaum ein anderes – und mich sehr neugierig gemacht auf den Autor und sein Lebenswerk. Der Wiener Psychiater Viktor Frankl wird 1942 von den Nationalsozialisten nach Theresienstadt deportiert und 1944 von dort nach Auschwitz gebracht. Später verlegt man ihn nach „Kauffering III“ und Türkheim, zwei Außenlager des KZ Dachau. In „Trotzdem Ja zum Leben sagen“ beschreibt er die Zeit von der Ankunft in Auschwitz bis zur seiner Befreiung durch die US-Army Ende April 1945 – und nimmt dabei ganz bewusst den Blickwinkel des Wissenschaftlers und Psychiaters ein. Weiterlesen

Die innere Stimme (wieder)finden – Die Dialogische Haltung in der Arbeit mit Eltern

 

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Vor ungefähr zehn Jahren, mein Sohn ging noch in den Kindergarten, erlebte ich einen recht bizarren Moment: Wir befanden uns an der Garderobe und ich wurde ungeduldig und auch ziemlich barsch, weil ich es eilig hatte und mir die Art meines Sohnes sich umzuziehen viel zu langsam erschien. Das Bizarre bestand darin, dass ich am Vorabend genau hier in der Kita als Referent im Rahmen eines thematischen Elternabends einen Vortrag hielt – Thema: Konfliktlösung mit Kindern im Sinne der Gewaltfreien Kommunikation nach Marshall Rosenberg. Weiterlesen