Was ist Streitkultur? Dialog unter freiem Himmel

Wir leben in einer Zeit, wo Gespräche schnell ihr Ende finden, sobald bestimmte Differenzen z.B. politischer Natur auftauchen – oder Fahrt aufnehmen auf eine Weise, als ob sich zwei voll aufgedrehte Lautsprecher gleichsam gegenüberstehen: „Die Leute hören nicht zu, sie laden nach.“ schreibt William Isaacs in seinem Buch „Dialog als Kunst gemeinsam zu denken“.
Wir laden ausnahmsweise mal nicht nach, sondern dazu ein, Erlebnisse und Erfahrungen zu diesem Thema zu teilen – schmerzhafte ebenso wie ermutigende! Lasst uns im Sinne von Isaacs z.B. gemeinsam darüber nachzudenken, was dafür sprechen könnte, trotz aller Zumutung miteinander im Gespräch zu bleiben – und was uns dabei helfen könnte.

Dialog unter freiem Himmel ist ein Kreisgespräch, versehen mit ein paar einfachen Kommunikationsregeln, die sicherstellen sollen, dass alle Gedanken Raum bekommen und allen Teilnehmenden zugehört wird – eventuell ist allein schon das eine besondere Erfahrung! Uns interessiert in erste Linie gute Gesprächskultur. Wir erforschen, was geschieht, wenn Phänomene wie Ringen ums Wort, Monologisieren oder anderen Personen „die Welt erklären“ mehr oder weniger außen vor bleiben.

Die Einladenden erklären zu Beginn die Regeln und den Ablauf, bringen spannende Fragen ein und begleiten den Austausch im Sinne von Hüter:innen eines guten Dialogs. Pünktliches Kommen sowie Bleiben bis zum Schluss sind erwünscht.

  • Wir treffen uns am Dienstag, den 24. Mai 2022 von 19:00 bis 20:30 Uhr.
  • Wir starten auf der Peißnitz auf der Wiese bei Wiederholds Biergarten.
  • Jede:r Interessierte ist herzlich willkommen.

Dialog unter Freiem Himmel zur Langen Nacht der Wissenschaften in Dresden

Zusammen mit Prof. Markus Andrä von der Fachhochschule Dresden lade ich anlässlich der Langen Nacht der Wissenschaften zu einer Gesprächsrunde der besonderen Art ein! Begleitet von Studierenden des Studiengangs Sozialpädagogik & -management sprechen wir gemeinsam über die Kommunikation im Familienalltag. Dabei werden wir nicht die Expert*innen sein, die erklären „wie´s geht“, sondern allen Anwesenden die Möglichkeit geben, ihre persönlichen Gedanken und Erlebnisse zu teilen!

Der Dialog unter freiem Himmel ist ein Kreisgespräch, versehen mit ein paar einfachen Kommunikationsregeln, die sicherstellen sollen, dass alle zu Wort kommen und allen zugehört wird. Gemeinsam sprechen wir so über spannende Fragen, zum Beispiel: Was hat sich in den letzten 30-40 Jahren eigentlich verändert im Umgang zwischen Erwachsenen und Kindern? Was sind die typischen Fallen und Stolpersteine mit Blick auf die Kommunikation zwischen den Generationen? Und was hilft bei aufkommenden Konflikten? Wir sind gespannt auf Deine Gedanken dazu und welche Ideen Du noch mit uns teilen willst!

Beginn: 17:00 Uhr
Ende: 00:00 Uhr

Ort: FH Dresden, Günzstr. 1, 01069 Dresden

Infos unter https://www.wissenschaftsnacht-dresden.de/programm/detailansicht?tx_events_fe7%5Bevent%5D=8457&cHash=1952ce34632f110c3eb39958a8e614e5

„Brücken bauen statt Gräben vertiefen“ – Bürger:innendialog in Radebeul

Dialog, so scheint es, ist gerade nicht so angesagt. Kaum hatte Vodka Darth Vader Ende Februar beschlossen, Wohnblocks und Geburtskliniken zu bombardieren, landete Dialog in der Sonderpostenwühlkiste im Schatten begehrter Saisonartikel wie Luftabwehrraketen, Panzerfäusten und Stahlhelmen.

Dennoch erreichte mich – ebenfalls Ende Februar – eine Anfrage aus Radebeul zur Begleitung eines „Bürgerdialogs zur Corona-Politik“. Das beschauliche Radebeul, hübsch möbliert mit Gründerzeit-Villen, erstreckt sich kurz vor den Toren Dresdens zu Füßen imposanter Weinberge. Das Team der örtlichen Volkshochschule, wo ich im Jahr 2019 schon einmal ein Dialog-Seminar abhielt, war vom Bürgermeister mit der Durchführung dieser Veranstaltung betraut worden. Im dialogischen Ansatz sah es eine Chance, dieses ambitionierte Vorhaben leidlich zu meistern.

Vor einiger Zeit hatten wir beim Dialog unter freiem Himmel in Halle bereits dieses Thema: Es stellte sich heraus, dass das Gesprächsformat durchaus trägt, wenn es darum geht, Leute aus unterschiedlichen „Blasen“ miteinander in ehrlichen Austausch zu bringen. Natürlich ploppte dann und wann auch Polemik auf, sorgten bestimmte Sichtweisen immer mal wieder für Schnapp-Atmung. Aber im Großen und Ganzen gelang es den Teilnehmenden einander zuzuhören und immer wieder von sich persönlich zu sprechen, statt der Versuchung zu erliegen, dem Gegenüber „die Welt zu erklären“. So gab es beim persönlichen Schlusswort (Das ist die letzte Phase eines Kreisdialoges) sogar Äußerungen, die ein gewisses Verständnis gegenüber eigentlich konträren Sichtweisen durchblicken ließen.

In Erinnerung an diese gute Erfahrung sagte ich den Radebeuler Kolleg:innen zu – wohlwissend, dass es sich im Vergleich zum oben beschriebenen Halleschen Gesprächskreis um eine ganz andere Hausnummer handelt: Als Veranstaltungsort diente eine Turnhalle, und es war nicht klar, wie viele Menschen kommen würden. Klar war hingegen, dass viele von ihnen auch Teilnehmer:innen der Radebeuler Montagsspaziergänge sein würden. Aber als Dialogfan und selbst ernannter Forscher in Sachen guter Gesprächskultur verspürte ich einen starken Ruf, die Komfortzone mal wieder zu verlassen und gemeinsam mit anderen in dieser Richtung interessierten Menschen neue Erfahrungen zu sammeln und zu lernen.

Spoiler: Das Konzept ging auf und es ging eben auch nicht auf.

Es kamen ungefähr neunzig Menschen, welche auf Stühlen und Turnbänken Platz nahmen. In der Mitte der Halle war ein Kreis mit sechzehn Stühlen aufgebaut, in welchem der Dialog stattfinden sollte. Die Idee war, dafür zu sorgen, dass immer ein paar Plätze frei bleiben, sodass Leute jederzeit von außen nach innen bzw. von innen nach außen wechseln konnten, um prinzipiell allen Anwesenden die Teilnahme am Dialog zu ermöglichen. Zunächst aber, nach der Begrüßung durch eine Mitarbeiterin der Volkshochschule und den Oberbürgermeister, bat ich alle anwesenden Gäste darum, sich von ihren Plätzen zu erheben und auf eine Person zuzugehen, die sie nicht kennen. Anschließend durfte der zusammengefaltete Zettel geöffnet werden, den die Besucher:innen am Einlass erhielten, um zu den darin enthaltenen Fragen miteinander ins Gespräch zu kommen:

  • Woran erinnerst du dich zuerst, wenn du an den Beginn der Corona-Zeit vor zwei Jahren denkst?
  • Wer oder was hat dir dabei geholfen, bis jetzt durch diese Krise zu kommen?
  • Mit Blick auf die kommenden Wochen und Monate: Was ist dein größter Wunsch für das Miteinander hier in deiner Stadt?

Es folgten 20 Minuten lebhafter Unterredung, und ich beobachtete beim Umherspazieren zwischen den Pärchen viele Momente lebendiger Begegnung und Freude am Erzählen und Zuhören. Das erlöste mich vom ersten Gefühl der Beklommenheit angesichts der ungewohnten Dimensionen dieser Veranstaltung – ich leitete zuversichtlich die nächste Phase, den Kreisdialog, ein.

Dazu präsentierte ich die Dialog-Empfehlungen* und erläuterte die Spielregeln: Zum Reden bitte den Sprechgegenstand (d.h. das schnurlose Mikrophon) benutzen, Dialog-Empfehlungen beherzigen, bei Bedarf die in der Mitte befindliche Klangschale anschlagen (als Aufforderung zum Innehalten und zur Besinnung auf eben jene  Dialog-Empfehlungen).

Es begann mit einer Checkin-Runde, bei der das Mikro einmal eine Runde reihum ging – Frage: Was bewegt dich mit Blick auf die aktuelle Corona-Politik? Anschließend landete das Mikro auf einem Tischchen in der Mitte. Hat jemand etwas zu sagen, geht er oder sie in die Mitte, nimmt sich das Mikro, setzt sich wieder hin, spricht und legt es danach wieder zurück. Klingt erstmal umständlich, ist aber hoch wirksam, weil dadurch jener Rhythmus und jene Atempausen entstehen, welche den Teilnehmenden das Gefühl vermitteln, dass Raum da ist – Raum für Hinhören, für Nachdenklichkeit, fürs Kommenlassen neuer Gedanken, fürs Sich-berühren-lassen …

Von nun an reihten sich innerhalb des Kreises die Beiträge aneinander – einige davon geprägt von starker Emotionalität und individueller Beladenheit, wie es bei Corona-Themen nun mal oft der Fall ist. Manches, und sei es noch so irritierend, braucht wohl erst einmal Ausdruck und Gehör, bevor sich irgendwann im Kreis das Interesse füreinander entfalten kann. Aber ich möchte an dieser Stelle nicht auf die Inhalte eingehen, sondern im Sinne der Weiterentwicklung guter dialogischer Praxis über den Gesprächsverlauf und seine Herausforderungen reflektieren.

Zunächst freute ich mich darüber, dass die Teilnehmenden sich nahezu durchweg auf die dialogischen Spielregeln einließen, welche ja einen Unterschied zu den üblichen Bürger:innenversammlungen oder Talkrunden bewirken sollten. Dennoch kam es zu Phänomenen, die jener entschleunigten Gesprächskultur, welche ich mir erhoffte, einigermaßen entgegenwirkten. Am Ende schlich sich der Talkrunden-Style dann leider doch noch durch die Hintertür ein – Anne Will partout mitmischen. Hier im Rückblick  ein paar dieser „Phänomene“:

  • Klatschen: Vom ersten Beitrag an war ich damit konfrontiert, dass immer wieder geklatscht wurde, wenn die sprechende Person das Mikro zurücklegte. Klatschen unterläuft das für den Dialog charakteristische kurze Pausieren zwischen den Beiträgen und sorgt für eine Emotionalisierung des Austausches. Zumal das Klatschen, je nach Beitrag, wohl immer auch die Zugehörigkeit zu einem bestimmten Lager (Spaziergängerin, Gegendemonstrant …) unterstreichen sollte. Natürlich wäre es völlig unangemessen gewesen, den Teilnehmenden das Klatschen zu untersagen. Mit Blick auf künftige Gesprächsrunden dieser Art bewegt mich dennoch die Frage, wie man im Vorfeld des Austausches eine gut begründete und nachvollziehbare Bitte dahingehend äußern könnte.
  • Fakten und Studienergebnisse: Entgegen der wiederholten Bitte, möglichst über persönliches Erleben und in der Ich-Form zu reden, war es einigen Teilnehmer:innen sehr wichtig, vermeintlich gesichertes Wissen und Studienergebnisse (z.B. zur Wirksamkeit von Impfungen und des Maskentragens) zu präsentieren. Dies führte immer wieder zu Diskussionen über Falsch und Richtig und zu mächtigem Rumoren in der Halle – und weg vom jeweils Eigenen. Die eindringliche Bitte eines Teilnehmers, auf das Referieren von Fakten zu verzichten, wurde in der Folge leider auch kaum beherzigt. Hier bräuchte es womöglich noch einmal mehr Klarheit in der Formulierung des Ziels eines Kreisdialoges: Weg vom Brillieren bzw. Appellieren mithilfe von mehr oder weniger gesicherten Fakten – hin zum Teilen persönlicher Gedanken und individueller Wahrnehmung. Wird dies vorab dargelegt, kann die Dialogbegleitung im Verlauf besser darauf Bezug nehmen und bei Bedarf darauf hinwirken, dass es nicht zu Pro- und Kontra-Diskussionen zwischen Hobby-Virolog:inen kommt.
  • Klangschale als Unterbrechung: Im Zuge aufkommender emotionaler Hitze nutzen aufgebrachte Teilnehmer:innen die Möglichkeit der Klangschale wiederholt als Versuch, eine gerade sprechende Person plump zu unterbrechen – wohl, weil diese etwas für sie sehr Unangenehmes aussprach. Auch hier ist künftig eine noch plausiblere Erklärung von Idee und Zweck dieses Dialogwerkzeuges nötig.

Der Radebeuler Bürger:innendialog fand unter dem Titel „Brücken bauen statt Gräben vertiefen“ statt. Der Oberbürgermeister wertschätzte in seinem Schlusswort den Austausch als wichtigen ersten Schritt und stellte eine Fortsetzung der Gespräche in Aussicht. Vom Bau einer Brücke konnte aus meiner Sicht jedoch noch keine Rede sein – eher von mehr oder weniger vehement vorgetragenen Standortbestimmungen der „Bautrupps“ dies- und jenseits des Flusses, inklusive einer grundehrlichen Vermessung des zu überspannenden Abstandes. Womöglich ist dies aber eine wichtige Station auf dem Weg zu konstruktiver Verständigung und möchte, wie fast alles, was zum gelingenden Miteinander beiträgt, geübt und verstetigt werden. Ich wünsche es den Radebeuler:innen von Herzen, ebenso wie allen anderen Corona-Disput-geplagten Communitys! Das kommunikative „Handwerkszeug“ dafür existiert und hofft darauf, bald wieder vom Sonderposten-Status erlöst zu werden.

 

* Dialogempfehlungen (nach Johannes Schopp)

Folgende Empfehlungen helfen dabei, eine achtsame Gesprächsathmosphäre zu schaffen:

  • Jede/Jeder genießt den gleichen Respekt.
  • Ich mache mir bewusst, dass meine „Wirklichkeit“, nur ein Teil des Ganzen ist.
  • Ich genieße das Zuhören.
  • Ich brauche niemanden von meiner Sichtweise zu überzeugen.
  • Ich verzichte darauf, (m)eine Lösung über den Lösungsweg meines Gegenüber zu stellen.
  • Wenn ich von mir rede, benutze ich das Wort „Ich“ und spreche nicht von „man“
  • Bevor ich rede, nehme ich mir einen Atemzug Pause.
  • Ich rede von Herzen und fasse mich kurz.
  • Ich vertraue mich neuen Sichtweisen an.
  • Ich nehme Unterschiedlichkeit als Reichtum wahr.

*nach Johannes Schopp: „Eltern stärken. Die Dialogische Haltung in Seminar und Beratung

 

Sprachlos war gestern!? Dialog unter freiem Himmel bei den Bildungswochen gegen Rassismus

Ein „lockerer“ rassistischer Spruch hier, ein antisemitischer Witz da – wir sind ja unter uns und wissen, wie´s gemeint ist, oder? Rassismus-erfahrene und -sensibilisierte Menschen verspüren in solchen Situationen oft Unbehagen, finden aus verschiedenen Gründen jedoch nicht zur Sprache. Beim Dialog unter freiem Himmel erklären wir nicht nach Expert:innenart, „wie´s geht“, sondern kommen ins Gespräch über unsere Erlebnisse und über unser Erleben. Beim Teilen persönlicher Erfahrungen, beim Zuhören und gemeinsamem Nachdenken ergeben sich mitunter Aha-Effekte oder Momente von Ermutigung.

Dialog unter freiem Himmel ist ein Kreisgespräch, versehen mit ein paar einfachen Kommunikationsregeln, die sicherstellen sollen, dass alle zu Wort kommen und allen zugehört wird – eventuell ist allein das schon eine besondere Erfahrung! Die Einladenden erklären zu Beginn die Regeln und den Ablauf, bringen spannende Fragen ein und begleiten den so entstehenden Austausch im Sinne von Hüter:innen eines guten Dialogs. In diesem Sinne sind auch pünktliches Kommen sowie Bleiben bis zum Schluss erwünscht.
https://dialogunterfreiemhimmel.wordpress.com

Wann: 15.3.2022, 19:00 – 20:30 Uhr
Wo am Peißnitzhaus – bitte Ausschilderung zur Veranstaltung am Eingang beachten!

Dialog unter freiem Himmel – die Stadt als Begegnungsraum

Dialog bietet einen Raum, in dem Begegnung, Vielfalt und gemeinsames Nachdenken zum Tragen kommen. Er lädt dazu ein, sich einzulassen auf Gedanken, die neu sind, zum Kern eines Themas vorzudringen und sich einander in Ehrlichkeit zuzuwenden.
Immer wieder heißt es: Dialog ist schwer zu erklären, er muss sich entfalten, man kann ihn nur erfahren. Dialog nach diesem Verständnis setzt bestimmte Fähigkeiten voraus, wie wirkliches Zuhören, Erkennen und In-der-Schwebe-halten eigener Vorannahmen u.a. Gleichzeitig bildet er die „Übungsmatte“ zum Erlangen und Vertiefen eben dieser Fähigkeiten.

Das Dilemma vom Dialog begeisterter Menschen besteht also darin, für etwas zu werben, das nur durch Erfahrung erfasst werden kann, weil der Zauber sich erst mitten im Tun erschließt. Obendrein lässt sich dialogische Qualität – selbst bei bester Vorbereitung und größtmöglicher Achtsamkeit – nicht verlässlich „machen“.

Wie können wir also im Stadtbild etwas sichtbar machen, das seinem Wesen nach immateriell oder feinstofflich ist – etwas, das eine besondere Qualität der Verständigung zwischen Menschen betrifft? Wie können wir dem Eindruck entgegen wirken, dass hier lediglich ein paar in die Jahre gekommene Hippies quatschend im Kreis auf der Wiese herumhocken? Wie können wir vermitteln, dass da etwas  Spannendes passiert und dass es was zu verpassen gibt, wenn man nicht mit Platz nimmt?

Am Küchentisch anno Corona 2020, fassten wir den Entschluss, Dialog unter freiem Himmel nicht nur als soziales, sondern auch als ästhetisches Projekt zu begreifen und der Frage der „Hardware“ intensive Aufmerksamkeit zu schenken: Zwanzig ultra-leichte Klappstühle eines Outdoorherstellers, Überwürfe (Don´t call it HUSSEN!) aus himmelblauem Markisenstoff, kombiniert jeweils mit einem isolierenden Sitzkissen, an der Rückseite mit einem gestickten Logo versehen. Den sprichwörtlichen Punkt auf das i setzt ein Rundtuch aus eben jenem Stoff für die gestaltete Mitte!

Diese Vision bedeutete für uns konkret: Antragstexte verfassen, virtuelle Kataloge durchforsten, uns mit Lichtechtheit von Stoffen beschäftigen, Logos ent- und verwerfen, an Schnittmustern herumzirkeln, Nähmaschinen heißlaufen lassen, uns zwischen Stickerei und Siebdruck entscheiden, beim Telefonieren mit dem Kundendienst eines Möbelhändlers mühsam um Fassung ringen …
Als wir aber nun an diesem grauen und nasskalten Tag im Januar das Ergebnis all der Mühen für einen Moment still auf uns wirken ließen, hatten wir das Gefühl, dass sich das alles wirklich gelohnt hat. Auch Spaziergänger*innen blieben neugierig stehen und fanden anerkennende Worte.

Wir bedanken uns mit einem bunten Bumenstrauß für die ermutigende monetäre Unterstützung zur Anschaffung des Materials beim Hallianz-Engagementfonds und der Halleschen Bürgerstiftung, denen die Förderung von Demokratie und Weltoffenheit in unserer Stadt am Herzen liegt!

Auf dem Wunschzettel für dieses Jahr steht übrigens die Anschaffung (oder Mit-Nutzung) eines Lasten-Dreirades, um das Dialog-Equipment flexibel dort nutzen zu können, wo es gebraucht wird: auf öffentlichen Plätzen, vorm Rathaus, auf Schulhöfen, auf dem Unicampus, auf einem grünen Hügel überm Saaletal, in Kirchgemeinden, bei Vereinen und Wohnungsgesellschaften, im Rahmen von Bürger*innendialogen, auf Straßenfesten, Demos usw. – Dialog auf Rädern sozusagen ?

Weiterführende Links:

Gerlinde Coch
André Gödecke
Dialog unter freiem Himmel
Hallianz für Vielfalt
Bürgerstiftung Halle
Im Dialog e.V.
Videoclip Dialog unter freiem Himmel 2018 in Potsdam


Wie kann ich als Interessierte*r dazustoßen?

Geh auf die Projektseite dialogunterfreiemhimmel.de – hier findest die aktuellen Termine und Informationen – auch mit Blick auf die jeweils geltenden Anti-Corona-Regeln!

Was ist Dialog unter freiem Himmel?

Es handelt sich um Kreisgespräche im öffentlichen Raum zu Themen und Fragen, welche für die Beteiligten von besonderem Interesse sind – z.B. aktuelle gesellschaftspolitische Themen, anstehende städtebauliche Entscheidungen, besseres Kennenlernen von Nachbarn usw.
Dialog unter freiem Himmel knüpft an traditionelle Formen gemeinschaftlicher Verständigung an – z.B. an die antike Agora oder die indigene Tradition des Großen Rates – und legt besonderen Wert auf wertschätzende Gesprächskultur und das Willkommenheißen von Vielfalt. Grundlage ist ein Verständnis von Dialog, welches auf gegenseitigem Respekt, achtsamem Zuhören und ergebnisoffenem gemeinsamen Erkunden beruht: Verschiedene, auch gegensätzliche Positionen werden nicht durch Schlagabtausch „ausdiskutiert“, sondern bekommen erstmal einfach nur Raum, werden gemeinsam betrachtet, beredet. Sie werden wie Puzzleteile eines anfangs noch nicht bekannten Bildes betrachtet – im Laufe des Gespräches gibt es dann Aha-Effekte, werden neue Perspektiven eingenommen, neue Gedanken und Ideen geboren.
Um eine solche Qualität zu erreichen und zu halten, braucht es eine einladende, achtsame Atmosphäre und in der Regel auch Begleitung durch erfahrene dialoginteressierte Menschen. Diese  sorgen mit ihrer Haltung und ggf. auch durch geeignete Interventionen dafür, dass das Gespräch nicht in Polemik, Debatte oder Besserwisserei kippt.
Jeder Kreisdialog beginnt mit einer Begrüßung, ggf. einer Einführung in das zugrunde liegende Dialogverständnis und einer Check-in-Runde, in der alle Teilnehmenden zu Beginn kurz etwas zu sich sagen. Anschließend laden die Dialogbegleiter*innen anhand einer Fragestellung zum Austausch ein. Neben Dialogemfehlungen (Siehe weiter unten) kommen dabei auch Sprechgegenstände zum Einsatz, welche dazu beitragen, dass genug Raum für das, was gesagt werden möchte, entsteht. Ist die Zeit um, laden die Prozessbegleiter*innen alle Teilnehmenden jeweils noch einmal zu einem persönlichen Schlusswort ein.

Warum Dialog unter freiem Himmel?

Herkömmliche Formen der Verständigung wie Debatten, Expert*innengespräche oder Pro- und Contra-Diskussionen führen häufig zu Ergebnissen, welche viele Beteiligte nicht nur unzufrieden zurücklassen, sondern oft auch neue Schwierigkeiten schaffen. In der Folge erleben sich Menschen als getrennt voneinander und wenig wirksam. Es scheint, als könnten die anstehenden Fragen und Probleme nur durch ein „Machtwort“ von Expert*innen oder anderen Autoritäten gelöst werden. Eine der Auswirkungen solcher Erfahrungen ist die zunehmend zu beobachtende Isolierung und der Eindruck eigener Handlungsunfähigkeit – ein Nährboden für Rückzug ins Private, Entsolidarisierung und politisches Desinteresse.

Dialog unter freiem Himmel setzt diesem Trend etwas entgegen: Die dort praktizierte dialogische Verständigung bietet den Teilnehmenden Gelegenheit, eigene Erfahrungen mit achtsamer, wertschätzender und demokratiefähiger Kommunikation zu machen und diese als Haltung in ihr Denken, Sprechen und Handeln zu integrieren. In der Weise, wie Menschen im Gespräch Wertschätzung und Annahme als Person erfahren, werden sie auch nach und nach dazu fähig, mit anderen in gleicher Weise umzugehen.

Offene Dialoge beinhalten darüber hinaus die Chance, dass sich ein neues Denken entwickeln kann, welches die Grundlage für eine offene und vielfältige Gesellschaft bildet, in der Menschen über die Grenzen von Generationen, Kulturen und politischen Zugehörigkeiten hinaus durch den Austausch voneinander lernen. Auf diese Weise können sie einen Beitrag zur dringend notwendigen Stabilisierung demokratischer Gesellschaftsstrukturen leisten.

Dialog unter freiem Himmel versteht sich als ein Ort der Verständigung und des gemeinsamen Lernens auf der Basis von gegenseitigem Respekt, Weltoffenheit und Vielfalt. Wir dulden keine Verbreitung von rechtem Gedankengut, Rassismus, Antisemitismus, Sexismus, Homophobie und anderen Arten von Diskriminierung und menschenverachtenden Weltanschauungen.

Dialog-Empfehlungen

Folgende Empfehlungen* helfen uns, eine achtsame Gesprächsatmosphäre zu schaffen:

  • Jede/Jeder genießt den gleichen Respekt.
  • Ich mache mir bewusst, dass meine „Wirklichkeit“, nur ein Teil des Ganzen ist.
  • Ich genieße das Zuhören.
  • Ich brauche niemanden von meiner Sichtweise zu überzeugen.
  • Ich verzichte darauf, (m)eine Lösung über den Lösungsweg meines Gegenüber zu stellen.
  • Wenn ich von mir rede, benutze ich das Wort „Ich“ und spreche nicht von „man“
  • Bevor ich rede, nehme ich mir einen Atemzug Pause.
  • Ich rede von Herzen und fasse mich kurz.
  • Ich vertraue mich neuen Sichtweisen an.
  • Ich nehme Unterschiedlichkeit als Reichtum wahr.

*Johannes Schopp: „Eltern stärken. Die Dialogische Haltung in Seminar und Beratung“ (Verlag Barbara Budrich, 2019)

Radiofeature: Wie entsteht ein gutes Gespräch? von Birgit Schönberger

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Können, Sollen oder Müssen? – Einladung zum Dialog am Feuer

Die Fakten zur Klimakrise sind bekannt. Aber was folgt daraus. Können, sollen, wollen oder müssen wir etwas zum Erhalt der Schöpfung für eine enkeltaugliche Welt tun? Welchen Einfluss hat es auf unser Tun, in welchem Modus wir unterwegs sind.

  • Dienstag, den 27. Oktober von 19:00 – 20:30 Uhr
  • Wir treffen uns an einer Feuerschale in der Wegscheiderstraße 12 in Glaucha
    (Not-Telefon: +49 157 31640161 oder +49 151 46450610)
  • Jede_r Interessierte ist herzlich willkommen.

Im Sinne eines gelingenden Dialoges bitten wir um pünktliches Kommen und um Präsenz bis zum Schluss (Ende 20:30 Uhr). Wir empfehlen darüber hinaus, sich mit den hier veröffentlichten Dialogregeln und Hintergrundinformationen vertraut zu machen.

(Text & Bild: Bernd Müller)

Wie geht Wandel? Einladung zum Dialog am Feuer

Immer mehr Menschen wird klar, dass wir weltweit vor tiefgreifenden Veränderungen stehen und dass es kein einfaches „Weiter so“ geben kann, auch wenn weite Teile der Gesellschaft – ausgefüllt mit Existenzsicherung, Selbstoptimierung und Konsum – dies immer noch träumen.

Statt aber nur auf die „große Politik“ zu starren und auf den großen Wurf (oder wahlweise: den großen Kollaps) zu warten:

  • Wie wäre es, schon mal anzufangen und kleine Schritte zu unternehmen, in denen die Melodie größerer Visionen mitschwingt?
  • Welche Vision treibt dich an und welche Entscheidungen hast du für dich getroffen?
  • Welche Entscheidung wartet eventuell darauf, endlich getroffen zu werden?

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Dialog unter freiem Himmel in Potsdam

Am 25.3.2018 fand auf dem Alten Markt von Potsdam ein Dialog unter freiem Himmel statt. PassantInnen waren eingeladen, zur Frage „Was ist für dich ein würdevolles Leben?“ miteinander in Austausch zu treten.

Wann spreche ich?

Im Herbst 2009 begann ich meine Ausbildung zum Dialogbegleiter in einem Bildungshaus auf der Insel Sylt. Bei der Anreise stellte ich fest, dass es sich um eine recht große Seminargruppe von über 20 Personen handelte, und verspürte erst einmal Unbehagen. Ich erinnerte mich an Gruppensituationen, in denen mir der Kopf wehtat, weil ich über lange Zeit einer Fülle von Redebeiträgen ausgesetzt war, die wenig Bedeutsames enthielten und manchmal auch in anstrengende Diskussionen oder gar Konflikte mündeten. Ich selber neige dann zu schweigender Zurückhaltung, einhergehend mit Gefühlen wie Anspannung, Ratlosigkeit und Aggression. Weiterlesen