Berufung oder Bullshit-Job?

Findest du Erfüllung in deiner beruflichen Tätigkeit oder grüßt täglich das Murmeltier? Wird die Frage nach dem Sinn überbewertet? Wie mag die Zukunft der Arbeit aussehen – und ist das von Bedeutung für anstehende Entscheidungen?

Lasst uns in Austausch treten zu damit verbundenen persönlichen Gedanken, Erfahrungen und Fragen!

Dialog unter freiem Himmel ist ein Kreisgespräch, versehen mit ein paar einfachen Kommunikationsregeln, die sicherstellen sollen, dass alle Gedanken Raum bekommen und allen Teilnehmenden zugehört wird – eventuell ist allein schon das eine besondere Erfahrung! Uns interessiert in erste Linie gute Gesprächskultur. Wir erforschen, was geschieht, wenn Phänomene wie Ringen ums Wort, Monologisieren oder anderen Personen „die Welt erklären“ mehr oder weniger außen vor bleiben.

Die Einladenden erklären zu Beginn die Regeln und den Ablauf, bringen spannende Fragen ein und begleiten den Austausch im Sinne von Hüter:innen eines guten Dialogs. Pünktliches Kommen sowie Bleiben bis zum Schluss sind erwünscht.

  • Wir treffen uns am Dienstag, den 19. Juli 2022 von 19:00 bis 20:30 Uhr.
  • Wir starten auf der Peißnitz auf der Wiese bei Wiederholds Biergarten.
  • Jede:r Interessierte ist herzlich willkommen

Mehr Infos zu Dialog unter freiem Himmel: https://dialogunterfreiemhimmel.wordpress.com/

Was ist Streitkultur? Dialog unter freiem Himmel

Wir leben in einer Zeit, wo Gespräche schnell ihr Ende finden, sobald bestimmte Differenzen z.B. politischer Natur auftauchen – oder Fahrt aufnehmen auf eine Weise, als ob sich zwei voll aufgedrehte Lautsprecher gleichsam gegenüberstehen: „Die Leute hören nicht zu, sie laden nach.“ schreibt William Isaacs in seinem Buch „Dialog als Kunst gemeinsam zu denken“.
Wir laden ausnahmsweise mal nicht nach, sondern dazu ein, Erlebnisse und Erfahrungen zu diesem Thema zu teilen – schmerzhafte ebenso wie ermutigende! Lasst uns im Sinne von Isaacs z.B. gemeinsam darüber nachzudenken, was dafür sprechen könnte, trotz aller Zumutung miteinander im Gespräch zu bleiben – und was uns dabei helfen könnte.

Dialog unter freiem Himmel ist ein Kreisgespräch, versehen mit ein paar einfachen Kommunikationsregeln, die sicherstellen sollen, dass alle Gedanken Raum bekommen und allen Teilnehmenden zugehört wird – eventuell ist allein schon das eine besondere Erfahrung! Uns interessiert in erste Linie gute Gesprächskultur. Wir erforschen, was geschieht, wenn Phänomene wie Ringen ums Wort, Monologisieren oder anderen Personen „die Welt erklären“ mehr oder weniger außen vor bleiben.

Die Einladenden erklären zu Beginn die Regeln und den Ablauf, bringen spannende Fragen ein und begleiten den Austausch im Sinne von Hüter:innen eines guten Dialogs. Pünktliches Kommen sowie Bleiben bis zum Schluss sind erwünscht.

  • Wir treffen uns am Dienstag, den 24. Mai 2022 von 19:00 bis 20:30 Uhr.
  • Wir starten auf der Peißnitz auf der Wiese bei Wiederholds Biergarten.
  • Jede:r Interessierte ist herzlich willkommen.

Dialog unter Freiem Himmel zur Langen Nacht der Wissenschaften in Dresden

Zusammen mit Prof. Markus Andrä von der Fachhochschule Dresden lade ich anlässlich der Langen Nacht der Wissenschaften zu einer Gesprächsrunde der besonderen Art ein! Begleitet von Studierenden des Studiengangs Sozialpädagogik & -management sprechen wir gemeinsam über die Kommunikation im Familienalltag. Dabei werden wir nicht die Expert*innen sein, die erklären „wie´s geht“, sondern allen Anwesenden die Möglichkeit geben, ihre persönlichen Gedanken und Erlebnisse zu teilen!

Der Dialog unter freiem Himmel ist ein Kreisgespräch, versehen mit ein paar einfachen Kommunikationsregeln, die sicherstellen sollen, dass alle zu Wort kommen und allen zugehört wird. Gemeinsam sprechen wir so über spannende Fragen, zum Beispiel: Was hat sich in den letzten 30-40 Jahren eigentlich verändert im Umgang zwischen Erwachsenen und Kindern? Was sind die typischen Fallen und Stolpersteine mit Blick auf die Kommunikation zwischen den Generationen? Und was hilft bei aufkommenden Konflikten? Wir sind gespannt auf Deine Gedanken dazu und welche Ideen Du noch mit uns teilen willst!

Beginn: 17:00 Uhr
Ende: 00:00 Uhr

Ort: FH Dresden, Günzstr. 1, 01069 Dresden

Infos unter https://www.wissenschaftsnacht-dresden.de/programm/detailansicht?tx_events_fe7%5Bevent%5D=8457&cHash=1952ce34632f110c3eb39958a8e614e5

„Brücken bauen statt Gräben vertiefen“ – Bürger:innendialog in Radebeul

Dialog, so scheint es, ist gerade nicht so angesagt. Kaum hatte Vodka Darth Vader Ende Februar beschlossen, Wohnblocks und Geburtskliniken zu bombardieren, landete Dialog in der Sonderpostenwühlkiste im Schatten begehrter Saisonartikel wie Luftabwehrraketen, Panzerfäusten und Stahlhelmen.

Dennoch erreichte mich – ebenfalls Ende Februar – eine Anfrage aus Radebeul zur Begleitung eines „Bürgerdialogs zur Corona-Politik“. Das beschauliche Radebeul, hübsch möbliert mit Gründerzeit-Villen, erstreckt sich kurz vor den Toren Dresdens zu Füßen imposanter Weinberge. Das Team der örtlichen Volkshochschule, wo ich im Jahr 2019 schon einmal ein Dialog-Seminar abhielt, war vom Bürgermeister mit der Durchführung dieser Veranstaltung betraut worden. Im dialogischen Ansatz sah es eine Chance, dieses ambitionierte Vorhaben leidlich zu meistern.

Vor einiger Zeit hatten wir beim Dialog unter freiem Himmel in Halle bereits dieses Thema: Es stellte sich heraus, dass das Gesprächsformat durchaus trägt, wenn es darum geht, Leute aus unterschiedlichen „Blasen“ miteinander in ehrlichen Austausch zu bringen. Natürlich ploppte dann und wann auch Polemik auf, sorgten bestimmte Sichtweisen immer mal wieder für Schnapp-Atmung. Aber im Großen und Ganzen gelang es den Teilnehmenden einander zuzuhören und immer wieder von sich persönlich zu sprechen, statt der Versuchung zu erliegen, dem Gegenüber „die Welt zu erklären“. So gab es beim persönlichen Schlusswort (Das ist die letzte Phase eines Kreisdialoges) sogar Äußerungen, die ein gewisses Verständnis gegenüber eigentlich konträren Sichtweisen durchblicken ließen.

In Erinnerung an diese gute Erfahrung sagte ich den Radebeuler Kolleg:innen zu – wohlwissend, dass es sich im Vergleich zum oben beschriebenen Halleschen Gesprächskreis um eine ganz andere Hausnummer handelt: Als Veranstaltungsort diente eine Turnhalle, und es war nicht klar, wie viele Menschen kommen würden. Klar war hingegen, dass viele von ihnen auch Teilnehmer:innen der Radebeuler Montagsspaziergänge sein würden. Aber als Dialogfan und selbst ernannter Forscher in Sachen guter Gesprächskultur verspürte ich einen starken Ruf, die Komfortzone mal wieder zu verlassen und gemeinsam mit anderen in dieser Richtung interessierten Menschen neue Erfahrungen zu sammeln und zu lernen.

Spoiler: Das Konzept ging auf und es ging eben auch nicht auf.

Es kamen ungefähr neunzig Menschen, welche auf Stühlen und Turnbänken Platz nahmen. In der Mitte der Halle war ein Kreis mit sechzehn Stühlen aufgebaut, in welchem der Dialog stattfinden sollte. Die Idee war, dafür zu sorgen, dass immer ein paar Plätze frei bleiben, sodass Leute jederzeit von außen nach innen bzw. von innen nach außen wechseln konnten, um prinzipiell allen Anwesenden die Teilnahme am Dialog zu ermöglichen. Zunächst aber, nach der Begrüßung durch eine Mitarbeiterin der Volkshochschule und den Oberbürgermeister, bat ich alle anwesenden Gäste darum, sich von ihren Plätzen zu erheben und auf eine Person zuzugehen, die sie nicht kennen. Anschließend durfte der zusammengefaltete Zettel geöffnet werden, den die Besucher:innen am Einlass erhielten, um zu den darin enthaltenen Fragen miteinander ins Gespräch zu kommen:

  • Woran erinnerst du dich zuerst, wenn du an den Beginn der Corona-Zeit vor zwei Jahren denkst?
  • Wer oder was hat dir dabei geholfen, bis jetzt durch diese Krise zu kommen?
  • Mit Blick auf die kommenden Wochen und Monate: Was ist dein größter Wunsch für das Miteinander hier in deiner Stadt?

Es folgten 20 Minuten lebhafter Unterredung, und ich beobachtete beim Umherspazieren zwischen den Pärchen viele Momente lebendiger Begegnung und Freude am Erzählen und Zuhören. Das erlöste mich vom ersten Gefühl der Beklommenheit angesichts der ungewohnten Dimensionen dieser Veranstaltung – ich leitete zuversichtlich die nächste Phase, den Kreisdialog, ein.

Dazu präsentierte ich die Dialog-Empfehlungen* und erläuterte die Spielregeln: Zum Reden bitte den Sprechgegenstand (d.h. das schnurlose Mikrophon) benutzen, Dialog-Empfehlungen beherzigen, bei Bedarf die in der Mitte befindliche Klangschale anschlagen (als Aufforderung zum Innehalten und zur Besinnung auf eben jene  Dialog-Empfehlungen).

Es begann mit einer Checkin-Runde, bei der das Mikro einmal eine Runde reihum ging – Frage: Was bewegt dich mit Blick auf die aktuelle Corona-Politik? Anschließend landete das Mikro auf einem Tischchen in der Mitte. Hat jemand etwas zu sagen, geht er oder sie in die Mitte, nimmt sich das Mikro, setzt sich wieder hin, spricht und legt es danach wieder zurück. Klingt erstmal umständlich, ist aber hoch wirksam, weil dadurch jener Rhythmus und jene Atempausen entstehen, welche den Teilnehmenden das Gefühl vermitteln, dass Raum da ist – Raum für Hinhören, für Nachdenklichkeit, fürs Kommenlassen neuer Gedanken, fürs Sich-berühren-lassen …

Von nun an reihten sich innerhalb des Kreises die Beiträge aneinander – einige davon geprägt von starker Emotionalität und individueller Beladenheit, wie es bei Corona-Themen nun mal oft der Fall ist. Manches, und sei es noch so irritierend, braucht wohl erst einmal Ausdruck und Gehör, bevor sich irgendwann im Kreis das Interesse füreinander entfalten kann. Aber ich möchte an dieser Stelle nicht auf die Inhalte eingehen, sondern im Sinne der Weiterentwicklung guter dialogischer Praxis über den Gesprächsverlauf und seine Herausforderungen reflektieren.

Zunächst freute ich mich darüber, dass die Teilnehmenden sich nahezu durchweg auf die dialogischen Spielregeln einließen, welche ja einen Unterschied zu den üblichen Bürger:innenversammlungen oder Talkrunden bewirken sollten. Dennoch kam es zu Phänomenen, die jener entschleunigten Gesprächskultur, welche ich mir erhoffte, einigermaßen entgegenwirkten. Am Ende schlich sich der Talkrunden-Style dann leider doch noch durch die Hintertür ein – Anne Will partout mitmischen. Hier im Rückblick  ein paar dieser „Phänomene“:

  • Klatschen: Vom ersten Beitrag an war ich damit konfrontiert, dass immer wieder geklatscht wurde, wenn die sprechende Person das Mikro zurücklegte. Klatschen unterläuft das für den Dialog charakteristische kurze Pausieren zwischen den Beiträgen und sorgt für eine Emotionalisierung des Austausches. Zumal das Klatschen, je nach Beitrag, wohl immer auch die Zugehörigkeit zu einem bestimmten Lager (Spaziergängerin, Gegendemonstrant …) unterstreichen sollte. Natürlich wäre es völlig unangemessen gewesen, den Teilnehmenden das Klatschen zu untersagen. Mit Blick auf künftige Gesprächsrunden dieser Art bewegt mich dennoch die Frage, wie man im Vorfeld des Austausches eine gut begründete und nachvollziehbare Bitte dahingehend äußern könnte.
  • Fakten und Studienergebnisse: Entgegen der wiederholten Bitte, möglichst über persönliches Erleben und in der Ich-Form zu reden, war es einigen Teilnehmer:innen sehr wichtig, vermeintlich gesichertes Wissen und Studienergebnisse (z.B. zur Wirksamkeit von Impfungen und des Maskentragens) zu präsentieren. Dies führte immer wieder zu Diskussionen über Falsch und Richtig und zu mächtigem Rumoren in der Halle – und weg vom jeweils Eigenen. Die eindringliche Bitte eines Teilnehmers, auf das Referieren von Fakten zu verzichten, wurde in der Folge leider auch kaum beherzigt. Hier bräuchte es womöglich noch einmal mehr Klarheit in der Formulierung des Ziels eines Kreisdialoges: Weg vom Brillieren bzw. Appellieren mithilfe von mehr oder weniger gesicherten Fakten – hin zum Teilen persönlicher Gedanken und individueller Wahrnehmung. Wird dies vorab dargelegt, kann die Dialogbegleitung im Verlauf besser darauf Bezug nehmen und bei Bedarf darauf hinwirken, dass es nicht zu Pro- und Kontra-Diskussionen zwischen Hobby-Virolog:inen kommt.
  • Klangschale als Unterbrechung: Im Zuge aufkommender emotionaler Hitze nutzen aufgebrachte Teilnehmer:innen die Möglichkeit der Klangschale wiederholt als Versuch, eine gerade sprechende Person plump zu unterbrechen – wohl, weil diese etwas für sie sehr Unangenehmes aussprach. Auch hier ist künftig eine noch plausiblere Erklärung von Idee und Zweck dieses Dialogwerkzeuges nötig.

Der Radebeuler Bürger:innendialog fand unter dem Titel „Brücken bauen statt Gräben vertiefen“ statt. Der Oberbürgermeister wertschätzte in seinem Schlusswort den Austausch als wichtigen ersten Schritt und stellte eine Fortsetzung der Gespräche in Aussicht. Vom Bau einer Brücke konnte aus meiner Sicht jedoch noch keine Rede sein – eher von mehr oder weniger vehement vorgetragenen Standortbestimmungen der „Bautrupps“ dies- und jenseits des Flusses, inklusive einer grundehrlichen Vermessung des zu überspannenden Abstandes. Womöglich ist dies aber eine wichtige Station auf dem Weg zu konstruktiver Verständigung und möchte, wie fast alles, was zum gelingenden Miteinander beiträgt, geübt und verstetigt werden. Ich wünsche es den Radebeuler:innen von Herzen, ebenso wie allen anderen Corona-Disput-geplagten Communitys! Das kommunikative „Handwerkszeug“ dafür existiert und hofft darauf, bald wieder vom Sonderposten-Status erlöst zu werden.

 

* Dialogempfehlungen (nach Johannes Schopp)

Folgende Empfehlungen helfen dabei, eine achtsame Gesprächsathmosphäre zu schaffen:

  • Jede/Jeder genießt den gleichen Respekt.
  • Ich mache mir bewusst, dass meine „Wirklichkeit“, nur ein Teil des Ganzen ist.
  • Ich genieße das Zuhören.
  • Ich brauche niemanden von meiner Sichtweise zu überzeugen.
  • Ich verzichte darauf, (m)eine Lösung über den Lösungsweg meines Gegenüber zu stellen.
  • Wenn ich von mir rede, benutze ich das Wort „Ich“ und spreche nicht von „man“
  • Bevor ich rede, nehme ich mir einen Atemzug Pause.
  • Ich rede von Herzen und fasse mich kurz.
  • Ich vertraue mich neuen Sichtweisen an.
  • Ich nehme Unterschiedlichkeit als Reichtum wahr.

*nach Johannes Schopp: „Eltern stärken. Die Dialogische Haltung in Seminar und Beratung

 

Sprachlos war gestern!? Dialog unter freiem Himmel bei den Bildungswochen gegen Rassismus

Ein „lockerer“ rassistischer Spruch hier, ein antisemitischer Witz da – wir sind ja unter uns und wissen, wie´s gemeint ist, oder? Rassismus-erfahrene und -sensibilisierte Menschen verspüren in solchen Situationen oft Unbehagen, finden aus verschiedenen Gründen jedoch nicht zur Sprache. Beim Dialog unter freiem Himmel erklären wir nicht nach Expert:innenart, „wie´s geht“, sondern kommen ins Gespräch über unsere Erlebnisse und über unser Erleben. Beim Teilen persönlicher Erfahrungen, beim Zuhören und gemeinsamem Nachdenken ergeben sich mitunter Aha-Effekte oder Momente von Ermutigung.

Dialog unter freiem Himmel ist ein Kreisgespräch, versehen mit ein paar einfachen Kommunikationsregeln, die sicherstellen sollen, dass alle zu Wort kommen und allen zugehört wird – eventuell ist allein das schon eine besondere Erfahrung! Die Einladenden erklären zu Beginn die Regeln und den Ablauf, bringen spannende Fragen ein und begleiten den so entstehenden Austausch im Sinne von Hüter:innen eines guten Dialogs. In diesem Sinne sind auch pünktliches Kommen sowie Bleiben bis zum Schluss erwünscht.
https://dialogunterfreiemhimmel.wordpress.com

Wann: 15.3.2022, 19:00 – 20:30 Uhr
Wo am Peißnitzhaus – bitte Ausschilderung zur Veranstaltung am Eingang beachten!

Neues Jahr, neuer Weg & ALLE WETTER Kreisgespräche

Der Beginn dieses Jahres war auch der Beginn meines Weges in die volle Selbständigkeit als Dialogprozessbegleiter und Erwachsenenbildner. Der Schwerpunkt liegt dabei auf den ALLE WETTER Kreisgesprächen – ein Ansatz, der sich in ca. fünfzehn Jahren Mediations- und Dialogpraxis in der Kinder- und Jugendarbeit entwickelt hat. Seit drei Jahren bilde ich pädagogische Fachkräfte darin fort. Trotz (oder gerade wegen?) Corona gab es in dieser Zeit immer mehr Anfragen aus Schulen, Horten und sozialpädagogischen Teams dazu. Schließlich geht es darum, einen Unterschied im Miteinander zu bewirken: Kinder und Jugendliche sollen mit ihrer Stimme gehört werden bzw. diese Stimme erst einmal entwickeln können. Engagierte Pädagog:innen – insbesondere jene, denen empathische Kommunikation und echte Partizipation am Herzen liegen – sollen ein Werkzeug an die Hand bekommen, mit dessen Hilfe Konflikte direkt zur Sprache gebracht und in Chancen verwandelt werden können.
Mittelfristig plane ich den Aufbau eines ALLE WETTER Mulitplikator:innenteams: Ich arbeite zwar gerne selbständig, aber nicht so gern allein. Ich wünsche mir, dass der Ansatz sich in den nächsten Jahren weiter entwickelt und neue Projekte angezettelt werden, um Humanität und Demokratie an Schulen usw. zu fördern.
Wenn dich das neugierig macht, schalte dich doch gerne mal bei einem der bevorstehenden ALLE WETTER Infotalks dazu!

COACHING? Ja, nee, is klar …

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Zum Jahreswechsel 2020/21 entschied ich mich dafür, eine Coaching-Ausbildung bei Veit Lindau zu anzufangen. Der Weg zu dieser Entscheidung mäanderte zwischen einem zweifellos starken Ruf, den ich aus dieser Richtung verspürte und der Auseinandersetzung mit diversen inneren und äußeren kritischen Stimmen:

„Alter, Coaches gibt es schon wie Sand am Meer – warum sollten die Leute ausgerechnet zu DIR kommen und dann auch noch gutes Geld dafür auf den Tisch legen?“

„Deine geistige Heimat ist doch der Dialog und die damit verbundene Magie aus Verlangsamung, erkundender Haltung und Momenten echter Begegnung. Ist Coaching dagegen nicht etwas oberflächlich und methodenlastig?““

„Willst du dich ernsthaft darauf verlegen, gestressten Leistungsträger*innen dabei zu helfen, ihren täglichen Wahnsinn mit ein paar Häppchen Achtsamkeit und Selbsterkenntnis besser durchzuhalten?“

Stimmt alles … und stimmt wiederum auch nicht: Natürlich fühle ich mich seit etlichen Jahren zuhause in Gesprächsrunden, in denen das Zulassen von Nichtwissen und das Wagnis, sich voll aufeinander einzulassen, dazu führen können, dass Entwicklungssprünge geschehen oder frische Ideen in die Welt kommen. Doch oft genug „plätschert“ der Dialog auch so vor sich hin und gerät zu einer Art Wohlfühl-Oase inmitten einer als rauh und undialogisch wahrgenommenen Welt – und es ist dann nur noch ein kleiner Schritt zu folklorehafter Selbstvergewisserung. Dann spüre ich, dass es noch etwas anderes braucht, um den brennenden Fragen dieser Zeit wirklich gerecht zu werden. Denn aus der Erfahrung der letzten 12 Monate folgt für mich:

  • Nach der Krise ist vor der Krise – Corona ist wohl nur der Anfang.
  • Rückkehr zur „Normalität“? Träum weiter – es wird höchstens anders.
  • Uns läuft die Zeit davon, die Weichen zu stellen für das Überleben und für das gute Leben von uns Menschen

25 - Kopie

Die größten Hindernisse für umfassende und nachhaltige Veränderungen sind neben der ungerechten Verteilung von Macht und Reichtum wohl das Festhalten am Altbewährten und die Behäbigkeit, mit der die notwendigen Schritte dann erfolgen, wenn überdeutlich wird, dass Festhalten nicht mehr funktioniert. Beredte Beispiele dafür sind die derzeitige Klima(Symbol)politik der Bundesregierung sowie die ins Stocken geratene Eindämmung der Pandemie und ihrer Auswirkungen (halbherzige Teststrategie, mangelnde digitale Ausstattung der Gesundheitsämter, Sich-selbst-überlassen des Bildungssektors, verschleppte Auszahlung von Hilfen für Freiberufler*innen usw.)

18 - Kopie

Um die aktuellen und kommenden Krisen zu bewältigen, ohne dabei auf ausgrenzende, entmündigende und undemokratische „Lösungen“ zu setzen, braucht es in allen gesellschaftlichen Bereichen und Ebenen Menschen, die sowohl über ein agiles, lebenslang lernbereites Mindset verfügen, als auch über Respekt vor allem Lebendigen, Empathie und belastbare Dialogbereitschaft.
Hier kommt für mich das Thema „Coaching“ ins Spiel: Wurden z.B. Fitess-Studios in den 90ern gerne belächelt als eine Art Biotop für Möchtegern-Arnies, so gehören sie heute durchaus zum Alltag vieler Menschen. Denn schließlich braucht der Körper im Zuge der rasanten Zunahme sitzender Tätigkeiten etwas mehr als nur Schlaf und gutes Essen.
Warum sollte nicht auch Coaching mehr Verbreitung und Gewinn an Ansehen erfahren – vor allem angesichts Schlange stehender Krisen und permanent neu herausgeforderter persönlicher Veränderungsbereitschaft? Warum sollten Menschen, die gerade auf dem Weg sind, immer mehr von dem zu lassen, was ihnen schadet und sich mit dem zu verbinden, was sie stärkt, nicht gerne inspirierende Begleitung dafür in Anspruch nehmen? Warum sollen so viele tolle Ideen und Visionen Opfer von „Das geht eh nicht!“ werden, nur weil jemand fehlt, der bereit ist, einen stärkenden Resonanzraum zu schenken und auch mal „Ansage“ zu machen, wenn das Alltagsgedöns überhand zu nehmen droht?

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Was das Argument der Oberflächlichkeit betrifft, bin ich ziemlich zuversichtlich, dass ich durch meine dialogische „Schlagseite“ durchaus immun dagegen bin. In meinem sich gerade bildenden Verständnis von Coaching geht es in erster Linie darum, unabhängig vom Füllstand des Wissens- und Methodenkoffers, mein Gegenüber als einmaliges Wunder zu begreifen und mir immer wieder vor Augen zu führen, dass ich im Grunde NICHTS weiß und somit offen bleibe für Überraschungen und magische Momente!

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Ich freue mich darüber, wenn du bis zu dieser Stelle gelesen hast und lade dich dazu ein, bei der Lektüre der künftigen Newsletter teilzuhaben an Aha-Effekten, welche mir im Zuge der Coaching-Ausbildung begegnen werden. Denn mir hilft es, die Dinge „aufs Papier“ zu bringen, um sie besser zu verinnerlichen – und ganz sicher wirst auch du profitieren, denn schon jetzt kann ich sagen, dass die Ausbildung richtig wertvoll und voll von neuen Erkenntnissen ist! ?

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Zu den im Artikel verwendeten Bildern: Die Fotos dokumentieren die Entstehung von „Corona-Schmetterlingen“ im Rahmen des Druckprojektes „printyFLY the crisis“ der Künstlerin Beate Gödecke. Es veranschaulicht Zusammenhänge zwischen Krisenbewältigung und kreativen Prozessen. Mehr dazu auf https://druckprojekt.beategoedecke.de

Dialog unter freiem Himmel – die Stadt als Begegnungsraum

Dialog bietet einen Raum, in dem Begegnung, Vielfalt und gemeinsames Nachdenken zum Tragen kommen. Er lädt dazu ein, sich einzulassen auf Gedanken, die neu sind, zum Kern eines Themas vorzudringen und sich einander in Ehrlichkeit zuzuwenden.
Immer wieder heißt es: Dialog ist schwer zu erklären, er muss sich entfalten, man kann ihn nur erfahren. Dialog nach diesem Verständnis setzt bestimmte Fähigkeiten voraus, wie wirkliches Zuhören, Erkennen und In-der-Schwebe-halten eigener Vorannahmen u.a. Gleichzeitig bildet er die „Übungsmatte“ zum Erlangen und Vertiefen eben dieser Fähigkeiten.

Das Dilemma vom Dialog begeisterter Menschen besteht also darin, für etwas zu werben, das nur durch Erfahrung erfasst werden kann, weil der Zauber sich erst mitten im Tun erschließt. Obendrein lässt sich dialogische Qualität – selbst bei bester Vorbereitung und größtmöglicher Achtsamkeit – nicht verlässlich „machen“.

Wie können wir also im Stadtbild etwas sichtbar machen, das seinem Wesen nach immateriell oder feinstofflich ist – etwas, das eine besondere Qualität der Verständigung zwischen Menschen betrifft? Wie können wir dem Eindruck entgegen wirken, dass hier lediglich ein paar in die Jahre gekommene Hippies quatschend im Kreis auf der Wiese herumhocken? Wie können wir vermitteln, dass da etwas  Spannendes passiert und dass es was zu verpassen gibt, wenn man nicht mit Platz nimmt?

Am Küchentisch anno Corona 2020, fassten wir den Entschluss, Dialog unter freiem Himmel nicht nur als soziales, sondern auch als ästhetisches Projekt zu begreifen und der Frage der „Hardware“ intensive Aufmerksamkeit zu schenken: Zwanzig ultra-leichte Klappstühle eines Outdoorherstellers, Überwürfe (Don´t call it HUSSEN!) aus himmelblauem Markisenstoff, kombiniert jeweils mit einem isolierenden Sitzkissen, an der Rückseite mit einem gestickten Logo versehen. Den sprichwörtlichen Punkt auf das i setzt ein Rundtuch aus eben jenem Stoff für die gestaltete Mitte!

Diese Vision bedeutete für uns konkret: Antragstexte verfassen, virtuelle Kataloge durchforsten, uns mit Lichtechtheit von Stoffen beschäftigen, Logos ent- und verwerfen, an Schnittmustern herumzirkeln, Nähmaschinen heißlaufen lassen, uns zwischen Stickerei und Siebdruck entscheiden, beim Telefonieren mit dem Kundendienst eines Möbelhändlers mühsam um Fassung ringen …
Als wir aber nun an diesem grauen und nasskalten Tag im Januar das Ergebnis all der Mühen für einen Moment still auf uns wirken ließen, hatten wir das Gefühl, dass sich das alles wirklich gelohnt hat. Auch Spaziergänger*innen blieben neugierig stehen und fanden anerkennende Worte.

Wir bedanken uns mit einem bunten Bumenstrauß für die ermutigende monetäre Unterstützung zur Anschaffung des Materials beim Hallianz-Engagementfonds und der Halleschen Bürgerstiftung, denen die Förderung von Demokratie und Weltoffenheit in unserer Stadt am Herzen liegt!

Auf dem Wunschzettel für dieses Jahr steht übrigens die Anschaffung (oder Mit-Nutzung) eines Lasten-Dreirades, um das Dialog-Equipment flexibel dort nutzen zu können, wo es gebraucht wird: auf öffentlichen Plätzen, vorm Rathaus, auf Schulhöfen, auf dem Unicampus, auf einem grünen Hügel überm Saaletal, in Kirchgemeinden, bei Vereinen und Wohnungsgesellschaften, im Rahmen von Bürger*innendialogen, auf Straßenfesten, Demos usw. – Dialog auf Rädern sozusagen ?

Weiterführende Links:

Gerlinde Coch
André Gödecke
Dialog unter freiem Himmel
Hallianz für Vielfalt
Bürgerstiftung Halle
Im Dialog e.V.
Videoclip Dialog unter freiem Himmel 2018 in Potsdam


Wie kann ich als Interessierte*r dazustoßen?

Geh auf die Projektseite dialogunterfreiemhimmel.de – hier findest die aktuellen Termine und Informationen – auch mit Blick auf die jeweils geltenden Anti-Corona-Regeln!

Was ist Dialog unter freiem Himmel?

Es handelt sich um Kreisgespräche im öffentlichen Raum zu Themen und Fragen, welche für die Beteiligten von besonderem Interesse sind – z.B. aktuelle gesellschaftspolitische Themen, anstehende städtebauliche Entscheidungen, besseres Kennenlernen von Nachbarn usw.
Dialog unter freiem Himmel knüpft an traditionelle Formen gemeinschaftlicher Verständigung an – z.B. an die antike Agora oder die indigene Tradition des Großen Rates – und legt besonderen Wert auf wertschätzende Gesprächskultur und das Willkommenheißen von Vielfalt. Grundlage ist ein Verständnis von Dialog, welches auf gegenseitigem Respekt, achtsamem Zuhören und ergebnisoffenem gemeinsamen Erkunden beruht: Verschiedene, auch gegensätzliche Positionen werden nicht durch Schlagabtausch „ausdiskutiert“, sondern bekommen erstmal einfach nur Raum, werden gemeinsam betrachtet, beredet. Sie werden wie Puzzleteile eines anfangs noch nicht bekannten Bildes betrachtet – im Laufe des Gespräches gibt es dann Aha-Effekte, werden neue Perspektiven eingenommen, neue Gedanken und Ideen geboren.
Um eine solche Qualität zu erreichen und zu halten, braucht es eine einladende, achtsame Atmosphäre und in der Regel auch Begleitung durch erfahrene dialoginteressierte Menschen. Diese  sorgen mit ihrer Haltung und ggf. auch durch geeignete Interventionen dafür, dass das Gespräch nicht in Polemik, Debatte oder Besserwisserei kippt.
Jeder Kreisdialog beginnt mit einer Begrüßung, ggf. einer Einführung in das zugrunde liegende Dialogverständnis und einer Check-in-Runde, in der alle Teilnehmenden zu Beginn kurz etwas zu sich sagen. Anschließend laden die Dialogbegleiter*innen anhand einer Fragestellung zum Austausch ein. Neben Dialogemfehlungen (Siehe weiter unten) kommen dabei auch Sprechgegenstände zum Einsatz, welche dazu beitragen, dass genug Raum für das, was gesagt werden möchte, entsteht. Ist die Zeit um, laden die Prozessbegleiter*innen alle Teilnehmenden jeweils noch einmal zu einem persönlichen Schlusswort ein.

Warum Dialog unter freiem Himmel?

Herkömmliche Formen der Verständigung wie Debatten, Expert*innengespräche oder Pro- und Contra-Diskussionen führen häufig zu Ergebnissen, welche viele Beteiligte nicht nur unzufrieden zurücklassen, sondern oft auch neue Schwierigkeiten schaffen. In der Folge erleben sich Menschen als getrennt voneinander und wenig wirksam. Es scheint, als könnten die anstehenden Fragen und Probleme nur durch ein „Machtwort“ von Expert*innen oder anderen Autoritäten gelöst werden. Eine der Auswirkungen solcher Erfahrungen ist die zunehmend zu beobachtende Isolierung und der Eindruck eigener Handlungsunfähigkeit – ein Nährboden für Rückzug ins Private, Entsolidarisierung und politisches Desinteresse.

Dialog unter freiem Himmel setzt diesem Trend etwas entgegen: Die dort praktizierte dialogische Verständigung bietet den Teilnehmenden Gelegenheit, eigene Erfahrungen mit achtsamer, wertschätzender und demokratiefähiger Kommunikation zu machen und diese als Haltung in ihr Denken, Sprechen und Handeln zu integrieren. In der Weise, wie Menschen im Gespräch Wertschätzung und Annahme als Person erfahren, werden sie auch nach und nach dazu fähig, mit anderen in gleicher Weise umzugehen.

Offene Dialoge beinhalten darüber hinaus die Chance, dass sich ein neues Denken entwickeln kann, welches die Grundlage für eine offene und vielfältige Gesellschaft bildet, in der Menschen über die Grenzen von Generationen, Kulturen und politischen Zugehörigkeiten hinaus durch den Austausch voneinander lernen. Auf diese Weise können sie einen Beitrag zur dringend notwendigen Stabilisierung demokratischer Gesellschaftsstrukturen leisten.

Dialog unter freiem Himmel versteht sich als ein Ort der Verständigung und des gemeinsamen Lernens auf der Basis von gegenseitigem Respekt, Weltoffenheit und Vielfalt. Wir dulden keine Verbreitung von rechtem Gedankengut, Rassismus, Antisemitismus, Sexismus, Homophobie und anderen Arten von Diskriminierung und menschenverachtenden Weltanschauungen.

Dialog-Empfehlungen

Folgende Empfehlungen* helfen uns, eine achtsame Gesprächsatmosphäre zu schaffen:

  • Jede/Jeder genießt den gleichen Respekt.
  • Ich mache mir bewusst, dass meine „Wirklichkeit“, nur ein Teil des Ganzen ist.
  • Ich genieße das Zuhören.
  • Ich brauche niemanden von meiner Sichtweise zu überzeugen.
  • Ich verzichte darauf, (m)eine Lösung über den Lösungsweg meines Gegenüber zu stellen.
  • Wenn ich von mir rede, benutze ich das Wort „Ich“ und spreche nicht von „man“
  • Bevor ich rede, nehme ich mir einen Atemzug Pause.
  • Ich rede von Herzen und fasse mich kurz.
  • Ich vertraue mich neuen Sichtweisen an.
  • Ich nehme Unterschiedlichkeit als Reichtum wahr.

*Johannes Schopp: „Eltern stärken. Die Dialogische Haltung in Seminar und Beratung“ (Verlag Barbara Budrich, 2019)

Radiofeature: Wie entsteht ein gutes Gespräch? von Birgit Schönberger

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Die Geschichten von morgen

Die Frau aus der Nachbarschaft geht gekrümmt und alltagsmaskiert an mir vorüber, in der rechten Hand eine Packung Toilettenpapier, in der linken eine prall gefüllte HUNDE-NETTO-Tüte. Mein stiller Gruß bleibt unerwidert – vielleicht hat sie ihn durch die vom Nieselregen beschlagene Brille einfach nicht wahrgenommen. Oder es ist jetzt so weit: Die Welt geht unter und auch ich sollte mich mit Classic XXL Klopapier, Fleischkonserven und billigem Rotwein eindecken! Was ist, wenn das niemals aufhört mit dem „Social distancing“? Was ist, wenn der orangene Typ am Ende vier weitere Jahre im Weißen Haus verbleibt und – Überraschung! – der Söder im nächsten Jahr Kanzler wird?

Beim ersten Lockdown schien trotz aller Verunsicherung alles noch irgendwie easy: Der Frühling und die ausgefallenen Termine verführten zu ausgiebigen Spaziergängen – „Naturkatastrophe light“ halt. In der Luft – zumindest hierzulande. Jetzt stehen dunkle, nasskalte Wochen bevor, eine Seminarabsage folgt der nächsten und es fängt an wehzutun. „Wir holen das, sobald es geht, nach!“ Ja, wann denn, bitteschön? Soll ich, weil dann ja so viel nachzuholen sein wird, etwa wochenlang 24/7 durcharbeiten? Beherbergungsverbot trifft Ponyhof.

Dann wäre da noch die Sache mit dem Ego: Natürlich ist das etwas angefressen, wenn es glauben soll, dass so profane Dinge wie Abstand halten oder der Verzicht auf reihenweise Umarmungen dazu beitragen sollen, am Ende eine bestimmte Anzahl von Leben zu retten. Was ist das schon gegen den Mut, sagen wir mal, eines Oskar Schindler? Würde Martin Luther King, wenn er noch lebte, die „AHA-Regeln“ einhalten? Was für eine alberne Frage, kleines Ego – ich bin sicher du kennst die Antwort.

Denke ich an mutige Menschen wie Malala Yousafzai, Edward Snowden oder an Recep Gültekin und Mikail Özen – also an Zeitgenoss*innen, die sich trotz Bedrohung und widrigster Umstände nicht den Schneid abkaufen lassen, wird mir eines immer klarer: Ich kann auch an furchbar düsteren November-Shutdown-Tagen morgens aufstehen und selber entscheiden, wie ich in den Tag gehe und worauf ich meine Aufmerksamkeit richte – denn bekanntlich folgt das Handeln der Aufmerksamkeit. Ich kann heute beeinflussen, welche Geschichte ich mir in ein paar Jahren über meinen Weg in Zeiten von Corona erzählen werde, und ich lasse mir von niemandem ausreden, immer wieder auf die Chancen zu schauen und darauf zu vetrauen, dass das Leben es im Grunde gut mit uns meint – daran ändern auch der orangene Typ, der Söder und der HUNDE-NETTO nichts.

Foto: © Erwin Wodicka   – fotolia.com/Adobe Stock

Von verborgenen Schätzen in rauer Umgebung

Vor einiger Zeit war ich als Prozessbegleiter für einen Dialogkreis mit GrundschullehrerInnen und HorterzieherInnen in meiner Heimatstadt engagiert. Die PädagogInnen waren unzufrieden mit dem oftmals von Frust und Vorurteilen geprägten Verhältnis zwischen beiden Professionen und den daraus resultierenden Reibungsverlusten in der täglichen Zusammenarbeit bzw. Nicht-Zusammenarbeit. Sie wollten mehr voneinander hören und gemeinsam darüber nachdenken, wie Austausch und Kooperation künftig besser gelingen können.

Zu Beginn der Gesprächsreihe lud ich die Beteiligten dazu ein, in zwei Gruppen mithilfe verschiedener Materialien jeweils eine Insel zu erschaffen: eine Insel namens „Hort“ – gestaltet von den ErzieherInnen und eine Insel namens „Schule“ – gestaltet von den LehrerInnen. Besonderes Augenmerk lag dabei auf dem Schatz, denn schließlich ist so eine Insel ja viel interessanter, wenn dort irgendwo ein vergrabener Schatz schlummert.

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