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Zu viele Berufspolitiker:innen setzen – anstatt zu liefern – auf Polarisierung und Spaltung. So treffen vergiftete Narrative auf Abstiegsängste, Verschwörungstheorien oder Wünsche nach einfachen Lösungen. Sie verhärten sich dann zu populistischen Weltsichten, denen auch mit noch so faktenbasierter Argumentation kaum beizukommen ist. Aber in mir lebt ein wissenschaftsaffiner Klarstellungs-Nerd, dem es nahezu körperliche Schmerzen bereiten würde, allzu steilen Thesen zu Klimawandel, Migration, Geopolitik usw. unwidersprochen Gehör zu schenken! Er ernährt sich u.a. von Dokus, Podcasts und gut recherchierten Artikeln, und mutiert in Streitgesprächen schnell zum altneunundachtziger Oberlehrer, der keine Gefangenen macht. Für einen entspannten, konstruktiven und gleichwürdigen Umgang miteinander ist das natürlich oft nicht so günstig. Außerdem würde wohl niemand, der als „irrational“, „uninformiert“ oder „aus der Zeit gefallen“ gebranntmarkt wird, deswegen eine andere Partei wählen oder fortan auf diskriminierende Begriffe verzichten. Ein Weg aus dieser Falle mag darin liegen, das leidige Tretminenfeld der starken Meinungen und des vermeintlichen Genau-Bescheid-wissens immer wieder zu verlassen, und den Fokus auf das unmittelbar Persönliche zu richten:
Gelingende Gespräche dieser Art schätze ich sehr, denn sie führen oft in die Tiefe – aber natürlich nicht automatisch zu anderen Wahlentscheidungen! Dennoch würde ich die transformative Kraft von Momenten echter Begegnung niemals unterschätzen – bezogen natürlich auf ALLE am Gespräch beteiligen Personen! Egal, was die anstehenden Wahlen und die kommenden Monate und Jahre bringen werden: Neben handfestem gesellschaftlichem Gegendruck brauchen wir Menschen, die echte Fragen stellen und zuhören können – und wir brauchen Räume, in denen wertschätzende und demokratische Gesprächskultur praktiziert wird – analog und uns einander zumutend, trotz unterschiedlicher Sichtweisen und Biografien! Als Dialogbegleiter, z.B. bei „Dazusetzen & Mitreden“ setze ich bei polarisierendem Sprech ab einem bestimmten Punkt natürlich Grenzen. Gleichzeitig ist es mir wichtig, nicht zu verurteilen und die betreffenden Personen möglichst weiter im Gespräch zu halten. ![]() 2 von 7 demorkratischen Führungsjokern aus dem Veto-Ansatz von Maike Plath Die oben abgebildeten Karten – zwei demokratische Führungsjoker aus dem bewährten Veto-Instrumentarium von Maike Plath* – sollen die Teilnehmenden ermutigen, zeitnah zu reagieren, wenn z.B. diskriminierende Äußerungen fallen: STÖRGEFÜHL und VERANTWORTUNG liegen für alle sichtbar in der Mitte und laden dazu ein, sich im Fall der Fälle irgendwie bemerkbar zu machen, anstatt nur die Luft anzuhalten und abzuwarten, wie sich die Moderation dazu verhält. Denn in der Regel sind die Dialogteilnehmer:innen in Summe recht divers, sodass polarisierende Perspektiven oft auch auf eine Art Korrektiv stoßen. Eines möchte ich – vor allem mit Blick auf die Artikelüberschrift – zum Schluss noch loswerden: Die Freiheit zu entscheiden, ob ich mit rechten Menschen rede oder nicht, ist ein Privileg! Denn es gibt viele gefährdete Zeitgenoss*innen unter uns, für die stellt sich aufgrund von Hautfarbe, Ethnie, sexueller Orientierung u.a.m. diese Frage gar nicht – und im Falle einer harten Machtübernahme würden sie zu den ersten gehören, die neben der „normalen“ alltäglichen Diskriminierung brutale Schikanen, Entzug von Rechten oder Schlimmeres erleiden müssten. Aktuell schießen Dialoginitiativen gefühlt wie Pilze aus dem Boden – und auch unser hallesches Format „Dazusetzen & Mitreden“ erfährt immer mehr Interesse und Nachfrage. Nach etlichen Jahren Engagement mit vergleichsweise wenig Resonanz freue ich mich riesig darüber! Wenn auch Du Lust auf gute Gesprächskultur hast, kann ich Dich nur ermutigen: Übe die nötigen Skills und fang an! Aber bitte immer schön entspannt bleiben und keine neue Norm daraus machen! |
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* Erklärung zu den demokratischen Führungsjokern
Quelle: Maike Plath: „Das Veto-Prinzip. Die sieben Säulen gleichwürdiger Pädagogik“, Beltz 2023 Weitere Informationen: https://vetoinstitut.de/ Informationen zum Halleschen Dialogformat „Dazusetzen & Mitreden“: https://www.hallianz-fuer-vielfalt.de/dialogreihe-dazusetzen-mitreden/ |
Mit Rechten reden?
Von André
17 Mai, 2026
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