Öfter mal den Status checken – und beherzt darüber hinaus gehen! Statuslehre nach Maike Plath

Von André

28 November, 2024

Es war einer dieser auftragsfreien Tage, den ich dafür nutzte, um spontan ein Symposium mit dem Titel „Gesunde Schule hat Methode“ zu besuchen, welches in der niedersächsischen Landesvertretung nahe dem Potsdamer Platz in Berlin stattfand und von einer Initiative namens „Weitblick“ ausgerichtet wurde.

Beide Keynotespeaker waren männlich, während für die Leitung der am Nachmittag stattfindenden Workshops mehrheitlich Frauen engagiert waren. Die Vortragsredner referierten darüber, dass sich das Thema „Gesundheitsprävention an Schule“ heutzutage glücklicherweise nicht mehr nur auf Aufklärung beschränkt: Inzwischen gibt es ein erweitertes Verständnis von Gesundheit, welches sich am Konzept der Salutogenese orientiert, während Gesundheitsprävention zunehmend als Querschnittsaufgabe gesehen und mit nicht wenig Fördermitteln unterstützt wird.

Das alles ändert jedoch nichts daran, dass z.B. Kinder aus Schulen in sozial benachteiligten Vierteln oder abgehängten Regionen aus den verschiedensten Gründen oft nicht in den Genuss der vielen Angebote kommen! Am Ende hängt wieder alles davon ab, wie die jeweilige Schulleitung tickt und ob Gesundheitsprävention vor Ort als willkommene Gelegenheit für Weiterentwicklung – oder aber als zusätzliche Belastung empfunden wird.

Aber nun zum Punkt, warum ich darüber schreibe:

Beide Redner betonten in ihrem jeweiligen Fazit, dass es endlich echten Dialog braucht: Dialog mit Lehrkräften, Dialog mit Schüler:innen und Eltern, Dialog zwischen Wissenschaft und Praxis! Nur dieser Dialog könne letztlich davor schützen, Programme an den Bedürfnissen der Betroffenen „vorbeizukonzipieren“, um dann am Ende zwar tolle Veröffentlichungen, aber keinen wirklichen Impact zu haben.

In der anschließenden Diskussion bekam ich Herzklopfen und rutschte auf meinem Stuhl unruhig hin und her, mit mir selber ringend, ob ich mich zu Wort melde. Gerade als die Moderatorin schon die Pause einläuten wollte, schnellte mein Arm dann doch noch nach oben: „Hm, ja, na gut, dann Sie noch! Aber vielleicht könnten Sie sich kurz fassen?!“ sagte sie und lächelte etwas gequält dabei.

Und dann brach es geradezu aus mir heraus:

Warum nehmen hier in dieser Veranstaltung Experten und Koryphäen, die nach ihren Vorträgen meist sowieso gleich wieder abrauschen, den allergrößten Teil der Zeit in Anspruch?

Was macht es so schwer, hier und jetzt schon mal anfangen mit dem viel gepriesenen Dialog?

Warum wird den Teilnehmenden eine passive Konsumhaltung auferlegt, auf dass Sie dann später in der lächerlich knapp bemessenen Zeit für Diskussion miteinander gottlos ums Wort kämpfen müssen?

Mal ganz abgesehen davon, dass Personen mit nicht-akademischen Wurzeln es in einem solch elaborierten Setting sowieso schwerer haben, das Wort zu ergreifen! Sicher mischte sich da auch eine Portion Frust in meine Rede – Frust darüber, dass engagierte Praktiker:innen um Support „von oben“ meistens regelrecht betteln müssen, während umgekehrt leider oft eine Mischung aus Desinteresse und „momentan leider sehr beschäftigt“ herrscht …

Es gab jedenfalls starken Applaus und in der Pause kamen einige Leute direkt auf mich zu, um mit mir ins Gespräch zu kommen, zu fragen, was ich beruflich mache usw. Ganz ehrlich: Als Freiberufler auf der Suche nach Kooperationen war es auch mal ganz schön, so viel Aufmerksamkeit zu bekommen! Keine Ahnung, ob mein Plädoyer auch nur irgendetwas bewirken wird, aber immerhin ging ich am Nachmittag mit einer Handvoll guter Kontakte wieder zurück in Richtung Hauptbahnhof –  was für eine Erfahrung!

Fotos: Mischpultkarten von Maike Plath – Veto-Weiterbildung 2024