"Tu nichts, und nichts bleibt ungetan." (Laotse)
Immer wieder geschieht es, dass in dem Moment, wo uns eine Situation rettungslos verfahren erscheint, plötzlich eine überraschende Lösung wie aus dem Nichts auftaucht - und wir anerkennen müssen, dass das Leben offenbar um soviel schlauer ist, als unser Alltagsverstand.
Die Frage ist, ob wir dem mehr vertrauen können, oder ob es sogar möglich ist, eine Art von Lebenskunst zu entwickeln, die solche Phänomene "einlädt". Fragen über Fragen - aber zum Glück haben sich schon vor ca. 3000 Jahren weise Menschen in China dazu Gedanken gemacht - und dieser Art von Lebenskunst auch einen Namen gegeben: Wu wei.
Das Wu wei ist ein Konzept aus dem Taoismus und meint "Nicht-Handeln" oder "Nicht-Tun". Dabei geht es jedoch nicht um Aufschieberei oder Faulheit, sondern um Handeln bzw. Nicht-Handeln im Einklang mit dem natürlichen Fluss des Tao - also jenes unbestimmten und schwer benennbaren Prinzips, welches den Mystikern als Urgrund und Quelle allen Seins galt.
Ein Hörbuch (siehe weiter unten) regte mich dazu an, etwas zu diesem Thema zu schreiben - in einer Zeit, in der es für mich immer mehr darum geht, ein gewisses Maß an Ungewissheit zu ertragen, anstatt mich immer nur von Ergebnissen abhängig zu machen und angestrengt auf Einflussnahme und Kontrolle zu setzen. Um nicht schon wieder den Rahmen eines Blogartikels zu sprengen, beschränke ich mich an dieser Stelle mal auf drei essenzielle Maximen:
- Realisiere die Begrenzungen deines Alltagsverstandes, denn er ist nur das Produkt vergangener Erfahrungen, welche lediglich einem winzig kleinen und zudem arg verzerrten Ausschnitt der Realität entsprechen.
- Erkenne an, dass die Welt außerhalb deiner begrenzten Modelle im Kopf eine ungeahnte Fülle von Lösungen für alle deine Fragen und Probleme bereithält - so du es denn schaffst, öfter im gegenwärtigen Augenblick zu sein und so eine Art von 360°-Aufmerksamkeit aufzubauen.
- Versteh, dass es oft Momente von Nichtwissen, Stille und Loslassen sind, welche die dafür notwendige Qualität des Lauschens und Kommen-lassens neuer Impulse in sich tragen.


