Maike Plath: Türwächter:innen der Freiheitmaik

Von André

25 April, 2024

Die Autorin, Theaterpädagogin und Unternehmerin Maike Plath schildert in „Türwächter*innen der Freiheit“ ihren Weg als Lehrerin im deutschen Schulsystem und wie es infolge gravierender Erfahrungen darin zur Entwicklung des VETO-Prinzips kam.

Mitte der Nullerjahre nahm sie als junge Lehrkraft eine Stelle in einer Hauptschule in Berlin-Neukölln an – und scheiterte dort erstmal gewaltig: Von den Schüler:innen nicht ernst genommen und mega herausgefordert, von den Kolleg:innen (zumindest von denen, die das Sagen hatten) belächelt und ausgebremst. Der Clou bestand halt darin, dass sie an diesem Punkt nicht das Handtuch warf, sondern sich all dem aussetzte, sich Fragen stellte – wie z.B. „Wer bin ich, wenn mich niemand toll findet?“ – und mit diesen Fragen jeweils eine Zeit lang ging.

Ihre wichtigste Frage war und ist jedoch die nach der Möglichkeit, mit jenen Kinder in wahrhafte Kooperation zu treten, die innerhalb des Systems schon einen Stempel weg haben und die nicht mehr „anspringen“ auf Noten, Lob oder Androhung von Sanktionen bis hin zum Rauswurf aus der Schule.

Alles begann damit, dass sie in ihrer Theater AG (und später auch im „regulären Unterricht“) ein Vetorecht einführte, d.h. alle Vorschläge, egal von wem sie kamen, konnten abgelehnt werden. Idee dahinter: Menschen wissen in der Regel immer erstmal ziemlich genau, was sie NICHT wollen. Gibt man dem mutig Raum und Akzeptanz, mag in den meisten Fällen erstmal Chaos entstehen. Aber Chaos wird irgendwann jedem und jeder zu anstrengend oder gar langweilig. An diesem Punkt angekommen, wird es möglich, darüber zu reden, WAS die Personen denn wollen, WIE sie das wollen und auf welches Vorgehen man sich in der Gruppe einigt – sodass am Ende alle Beteiligten in ihre Selbstwirksamkeit kommen und Freude am gemeinsamen Tun erleben.

Aus diesem Move heraus entwickelte Maike ein Konzept für demokratische Führung in Schulen, Unternehmen, Gemeinschaften u.a.: Das Vetorecht ist mittlerweile einer von sieben „demokratischen Führungsjokern“, auf denen dieses Konzept beruht. Mittlerweile gibt es sogar eine intensive Weiterbildung dazu, an der ich seit Beginn dieses Jahres teilnehme – und mit deren Hilfe ich eine weitere Berufs- und Lebensbaustelle angegangen bin: FÜHRUNG. Soll heißen: Künftig immer öfter mutig, frech und klar Führung übernehmen – und im Sinne des VETO-Konzeptes auch Führung wieder abgeben, damit Integrität, Mitgestaltung und Gemeinsinn eine Chance bekommen.

Maike Plath: Türwächter*innen der Freiheit (BoD Norderstedt 2022)

https://www.podcast.de/podcast/2603316/tuerwaechterinnen-der-freiheit

https://www.maikeplath.de/

https://vetoinstitut.de/angebot/weiterbildung/